Popelig,
liebe Freunde, ist DIE Trendfarbe des Sommers. Völlig zu unrecht fristet diese schneidige Mischung aus schlammgrau und spinatgrün ihr Dasein in Nasennischen, unter Maler-und Lackiererfingernägeln und auf Mittelstandsteenagerpunkerköpfen.
Ich, stilsicher wie eh und je, dachte mir also heute:"Schluß mit sonnengelb aufm T-Shirt und mausgrau aufm Kopp! Machste dir mal die Haare schön, haste schließlich am Samstag ne Schuleinführung, wo du gleich mal verdeutlichen willst, was für eine selbstgeboreneSatansbrut schicke Motte demnächst die Klasse 1b besucht! Schließlich schließt der Lehrer an sich ja gern vom Elternteil aufs Kind."
Ich färbe mir die Haare ja eigentlich nicht mehr. So ungefähr seit 10 Jahren jedenfalls. Aus unerfindlichen Gründen haben nämlich sämtliche Haarfärbungen aus grauer Vorzeit und quer durch alle möglichen Farbspektren ihre Spuren hinterlassen, die sich heutzutage in einem netten suppenden Grind nach dem Gebrauch freiverkäuflicher Färbungen äußern. Daher griff ich zu Henna. Henna, liebe Freunde der Schönheit, gibt es nicht nur in sozialpädagogikstudentenfreundlichem Rot, das möchte ich gleich mal vorausschicken. Henna, dieses wunderbare Endprodukt klein gemalener und getrockneter Inderscheiße, kann man auch in braun und schwarz kaufen. Toll, dachte ich mir, zusammen mit meinen eher dunkelblonden Haaren könnte ich mir so eine biologisch-dynamische Deutschlandfahne auf den Schädel donnern. (Gleich mal merken für die nächste EM!) Entgegen aller spontan-patriotischen Anwandlungen entschied ich mich dann aber doch für schwarz. Grund: Meine Naturhaarfarbe plus schwarz= gewünschtes schokobraun, so meine logische Überlegung. Auf dem Weg nach Hause hatte ich dann auch bei der Vorstellung einer rassigen dunklen Lockenmähne mehrere Spontanorgsamen, die bis zum Anrühren des Hennapulvers anhielten. Ich war kurzzeitig etwas irritiert, denn das was da im fairgetradeten Bambusschälchen vor sich hinmockte war grün, um nicht zu sagen: popelgrün. Der Beipackzettel beruhigte mich, stand da doch, daß die Farbe des angerührten Breis nicht dem Endergebnis entspräche.
Wie unrecht sie doch hatten, diese netten kleinen Hennafabrikanten!
Ich pappte mir also etwas von der Konsistenz aufgeweichter Schafsköttel auf mein holdes, dunkelblondes Haupt, erfreute mich am langsamen Festwerden besagter Masse und den eingesauten Handtüchern, schrubbte mir unter Schmerzen die ins blaue reagierten Färbespuren auf meiner Stirn ab undhaarte harrte der Dinge. Endlich, endlich war es soweit: Ich benetzte mein betonhartes Haupthaar mit 2 Millionen Liter Wasser und bestaunte die lustige klosteinblaue Farbe in meiner Badewanne. Auch fühlte ich mich ökologisch voll im Gleichgewicht, denn alles, was da in den Orkus ging war ja Natur pur! Ein innerer Reichsparteitag, liebe Freunde, das kann ich euch sagen! Wie in der Werbung schmiß ich dann meine langen Loden dynamisch nach oben und in Richtung Fön, um meiner neuen Frisur mit einem schicken Rundbürstenstyle auch zur richtigen Geltung zu verhelfen. Der Einzige, der nicht mitspielte beim heimeigenen Germanys next Kopfmodel war mein Spiegel.
Es muß am Licht gelegen haben. Anders kann ich mir den grünen Schopf, der mir da entgegen blickte, nicht erklären. Aber vielleicht hatte ich das Ganze auch nicht richtig ausgespült? Fünf Haarwäschen mit Pantenes Stufenlookshampoo später konnte ich zwar anerkennend feststellen, daß meine Friseurin gute Arbeit geleistet hatte, damals vor 8 Monaten, aber irgendwie waren meine Haare... nun ja, popelig eben. Obwohl, und das muß man ja auch mal sagen: Wenn Licht drauf schien, war alles nur noch halb so schlimm, denn so schien mir wenigstens ein Nebenverdienst als Galleonsfigur irgendeines irischen Pubs sicher.
Als Tochter einer lebende Koboldklitschenwerbung allerdings lebt es sich sicher nicht leicht und so beschloß ich in aller Ruhe, zum Friseur zu gehen. Ich muß ja auch an mein Kind denken. Und an meinen Job. Und an meinen Freund. Und an mein Alter. Denn wegen mir hätte das ruhig so bleiben können! Das las ich auch aus den Tränen und dem vor Neid nach oben verzogenen Mund meiner Nachbarin, die mich mit erstickter Stimme fragte, woher ich denn diese tolle Haarfarbe hätte.
Die Intuiton ist die ältere Schwester der Vernunft, heißt es so schön, aber manchmal muß man der Vernunft auch ne Chance lassen. Sonst wird die ja nie erwachsen! Also trollte ich mich kurz nach sechs in die Stadt zum 10€-Coiffeur meines Vetrauens, der mich unter deutlichen Mitleidbekundungen wieder der Tür verwies: "Wir machen in einer halben Stunde zu. Bis dahin schaffen wir das nicht mehr!" Ich wurde nach den eigenartigen Blicken meiner Mitmenschen in Bus und Bahn so nur noch zusätzlich verunsichert. Sah ich wiklich so scheiße aus? Ich meine, ein Kopf, dessen Farbe Nasenexkremente in einem schönen Zusammenspiel mit einem lachfältigen Mund und nuancenhaft abgestimmten naturbraunen Augenschatten auf ungeschminkten prämenstrualem Pickelteint präsentierte, hätte doch die Kenner hipper Instyle-Cut-and-go-Tempel zu orgasmischen Gehauchze anregen müssen! Kurt Cobain hätte mir vom Fleck weg seinen letzten Druck angeboten! Ich hätte mir sogar fürs Gesamtbild bei H&M ein karriertes Halstuch gekauft! Oder Totenkopfhaarspangen!
Ich mußte es einsehen: In der Provinz ist es noch nicht Zeit für DIE Trendfarbe des Sommers. Also rin in den nächsten Cut-and-go-Verschnitt:
"Mäuschen, was hast DU denn gemacht?", quitschte es mir unter lauten Jack-Jones-Gejaule bestürzt entgegen.
"Ich habe mir die Haare mit Henna gefärbt und alle finden es doof!" lautete meine tränenreiche, wenngleich emotionslos vokalisierte Antwort.
"Steffi, gucke mal, was machn wir denn da? Die 3-1-4 oder doch besser die 5-1-6? Nicht, daß das dann noch schlimmer wird! Oder sollen wir vorher doch lieber erstmal blond so als Grundierung machen?"
Ich bekam mehrere Herzinfarkte. Weniger wegen unbekannter Dinge wie 3-1-4 oder 5-1-6. Wegen mir hätten wir auch gleich die 1-1-0 anrufen können, aber B-L-O-N-D, das war wirklich Wasserstoffperoxid in der offenen Haarwunde. Glücklicherweise entschied sich die herbeigerufene 0-8-15-Steffi dann gegen blond so als Grundierung, weil jenes das bis dahin richkolbenexkrementale Grün in ein deutliches Textmarker-Neongrün verwandelt hätte. Und so klatschte mir die Frisöse ein twentysomething freundliches dunkelbraun auf meinen ungewollten Mittelstandspunkerhead. Dank des in der Farbe enthaltene Ammoniak entwicklete zwar meine Kopfhaut ein Eigenleben, aber ich bin ja ein Mensch, der wirklich jeder beknackten Situation etwas Gutes abgewinnen kann. So kann ich jetzt zum Beispiel sagen, daß das unverhoffte Teilen der Lebenswelt von Menschen mit schizioden Persönlichkeitsstörungen eine der wertvolleren Erfahrungen meines 29jährigen Lebens ist. Auch verhalf mir die Cut-and-go-Hippe gleich noch zu einem ausdefinierteren "mal durchstufen", damit sich die 3,49 für Pantenes Stufenlookshampoo in eine ausgehfreundliche Richtung amortisieren konnten.
Ich verließ das "Haarstudio" letztlich mit einem wirklich tollen dunkelschokobraun. Genauso eins, wie ich es wollte, hatte eine neue beste Freundin gefunden, die mich nicht nur schätzt, weil ich in ihrer achtjährigen Berufserfahrung die Erste mit einem derartig mißlungene Selbstfärbungsversuch bin und habe endlich den von der Friseurinnung oft kolportierten Imperativ des "Selfmade ist was für Leute mit Talent" verifiziert.
Gefönt habe ich übrigens selbst - Mit heißer Luft kann ich nämlich umgehen!
Ich, stilsicher wie eh und je, dachte mir also heute:"Schluß mit sonnengelb aufm T-Shirt und mausgrau aufm Kopp! Machste dir mal die Haare schön, haste schließlich am Samstag ne Schuleinführung, wo du gleich mal verdeutlichen willst, was für eine selbstgeborene
Ich färbe mir die Haare ja eigentlich nicht mehr. So ungefähr seit 10 Jahren jedenfalls. Aus unerfindlichen Gründen haben nämlich sämtliche Haarfärbungen aus grauer Vorzeit und quer durch alle möglichen Farbspektren ihre Spuren hinterlassen, die sich heutzutage in einem netten suppenden Grind nach dem Gebrauch freiverkäuflicher Färbungen äußern. Daher griff ich zu Henna. Henna, liebe Freunde der Schönheit, gibt es nicht nur in sozialpädagogikstudentenfreundlichem Rot, das möchte ich gleich mal vorausschicken. Henna, dieses wunderbare Endprodukt klein gemalener und getrockneter Inderscheiße, kann man auch in braun und schwarz kaufen. Toll, dachte ich mir, zusammen mit meinen eher dunkelblonden Haaren könnte ich mir so eine biologisch-dynamische Deutschlandfahne auf den Schädel donnern. (Gleich mal merken für die nächste EM!) Entgegen aller spontan-patriotischen Anwandlungen entschied ich mich dann aber doch für schwarz. Grund: Meine Naturhaarfarbe plus schwarz= gewünschtes schokobraun, so meine logische Überlegung. Auf dem Weg nach Hause hatte ich dann auch bei der Vorstellung einer rassigen dunklen Lockenmähne mehrere Spontanorgsamen, die bis zum Anrühren des Hennapulvers anhielten. Ich war kurzzeitig etwas irritiert, denn das was da im fairgetradeten Bambusschälchen vor sich hinmockte war grün, um nicht zu sagen: popelgrün. Der Beipackzettel beruhigte mich, stand da doch, daß die Farbe des angerührten Breis nicht dem Endergebnis entspräche.
Wie unrecht sie doch hatten, diese netten kleinen Hennafabrikanten!
Ich pappte mir also etwas von der Konsistenz aufgeweichter Schafsköttel auf mein holdes, dunkelblondes Haupt, erfreute mich am langsamen Festwerden besagter Masse und den eingesauten Handtüchern, schrubbte mir unter Schmerzen die ins blaue reagierten Färbespuren auf meiner Stirn ab und
Es muß am Licht gelegen haben. Anders kann ich mir den grünen Schopf, der mir da entgegen blickte, nicht erklären. Aber vielleicht hatte ich das Ganze auch nicht richtig ausgespült? Fünf Haarwäschen mit Pantenes Stufenlookshampoo später konnte ich zwar anerkennend feststellen, daß meine Friseurin gute Arbeit geleistet hatte, damals vor 8 Monaten, aber irgendwie waren meine Haare... nun ja, popelig eben. Obwohl, und das muß man ja auch mal sagen: Wenn Licht drauf schien, war alles nur noch halb so schlimm, denn so schien mir wenigstens ein Nebenverdienst als Galleonsfigur irgendeines irischen Pubs sicher.
Als Tochter einer lebende Koboldklitschenwerbung allerdings lebt es sich sicher nicht leicht und so beschloß ich in aller Ruhe, zum Friseur zu gehen. Ich muß ja auch an mein Kind denken. Und an meinen Job. Und an meinen Freund. Und an mein Alter. Denn wegen mir hätte das ruhig so bleiben können! Das las ich auch aus den Tränen und dem vor Neid nach oben verzogenen Mund meiner Nachbarin, die mich mit erstickter Stimme fragte, woher ich denn diese tolle Haarfarbe hätte.
Die Intuiton ist die ältere Schwester der Vernunft, heißt es so schön, aber manchmal muß man der Vernunft auch ne Chance lassen. Sonst wird die ja nie erwachsen! Also trollte ich mich kurz nach sechs in die Stadt zum 10€-Coiffeur meines Vetrauens, der mich unter deutlichen Mitleidbekundungen wieder der Tür verwies: "Wir machen in einer halben Stunde zu. Bis dahin schaffen wir das nicht mehr!" Ich wurde nach den eigenartigen Blicken meiner Mitmenschen in Bus und Bahn so nur noch zusätzlich verunsichert. Sah ich wiklich so scheiße aus? Ich meine, ein Kopf, dessen Farbe Nasenexkremente in einem schönen Zusammenspiel mit einem lachfältigen Mund und nuancenhaft abgestimmten naturbraunen Augenschatten auf ungeschminkten prämenstrualem Pickelteint präsentierte, hätte doch die Kenner hipper Instyle-Cut-and-go-Tempel zu orgasmischen Gehauchze anregen müssen! Kurt Cobain hätte mir vom Fleck weg seinen letzten Druck angeboten! Ich hätte mir sogar fürs Gesamtbild bei H&M ein karriertes Halstuch gekauft! Oder Totenkopfhaarspangen!
Ich mußte es einsehen: In der Provinz ist es noch nicht Zeit für DIE Trendfarbe des Sommers. Also rin in den nächsten Cut-and-go-Verschnitt:
"Mäuschen, was hast DU denn gemacht?", quitschte es mir unter lauten Jack-Jones-Gejaule bestürzt entgegen.
"Ich habe mir die Haare mit Henna gefärbt und alle finden es doof!" lautete meine tränenreiche, wenngleich emotionslos vokalisierte Antwort.
"Steffi, gucke mal, was machn wir denn da? Die 3-1-4 oder doch besser die 5-1-6? Nicht, daß das dann noch schlimmer wird! Oder sollen wir vorher doch lieber erstmal blond so als Grundierung machen?"
Ich bekam mehrere Herzinfarkte. Weniger wegen unbekannter Dinge wie 3-1-4 oder 5-1-6. Wegen mir hätten wir auch gleich die 1-1-0 anrufen können, aber B-L-O-N-D, das war wirklich Wasserstoffperoxid in der offenen Haarwunde. Glücklicherweise entschied sich die herbeigerufene 0-8-15-Steffi dann gegen blond so als Grundierung, weil jenes das bis dahin richkolbenexkrementale Grün in ein deutliches Textmarker-Neongrün verwandelt hätte. Und so klatschte mir die Frisöse ein twentysomething freundliches dunkelbraun auf meinen ungewollten Mittelstandspunkerhead. Dank des in der Farbe enthaltene Ammoniak entwicklete zwar meine Kopfhaut ein Eigenleben, aber ich bin ja ein Mensch, der wirklich jeder beknackten Situation etwas Gutes abgewinnen kann. So kann ich jetzt zum Beispiel sagen, daß das unverhoffte Teilen der Lebenswelt von Menschen mit schizioden Persönlichkeitsstörungen eine der wertvolleren Erfahrungen meines 29jährigen Lebens ist. Auch verhalf mir die Cut-and-go-Hippe gleich noch zu einem ausdefinierteren "mal durchstufen", damit sich die 3,49 für Pantenes Stufenlookshampoo in eine ausgehfreundliche Richtung amortisieren konnten.
Ich verließ das "Haarstudio" letztlich mit einem wirklich tollen dunkelschokobraun. Genauso eins, wie ich es wollte, hatte eine neue beste Freundin gefunden, die mich nicht nur schätzt, weil ich in ihrer achtjährigen Berufserfahrung die Erste mit einem derartig mißlungene Selbstfärbungsversuch bin und habe endlich den von der Friseurinnung oft kolportierten Imperativ des "Selfmade ist was für Leute mit Talent" verifiziert.
Gefönt habe ich übrigens selbst - Mit heißer Luft kann ich nämlich umgehen!
lesof - 21. Aug, 20:52
Pete hatte natürlich Gründe, das Konzert ausfallen zu lassen. Gründe, die, erinnert man sich an seine leichte Affinität zu illegalen Drogen, gelten lassen muß, denn Pete ist krank. Und schließlich ist der Musikliebhaber an sich auch kein schlechter Mensch: Wer will schon das siechende Aushängeschild jahrhundertealten Britpopper-Inzests dem ostdeutschen Alternativ-Hörer zum Fraß vorwerfen? Nachher gehts Pete vielleicht dann noch viel schlechter und er macht gar keine Musik mehr. Oder freundet sich mit Amy Winehouse an.
Gestern löste sich der Kloß im Hals. Der Nennfreund rief an. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt und so war er nach Belgien gefahren um dort seinem Großmeister Tribut zu zollen. Er hatte es auch ein bißchen schlau angestellt, denn er besuchte ein Festival mit vielen tollen Bands, das den Preis auch beim Wegbleiben Petes schneller amortisieren konnte, als Amy Winhouse Ohrfeigen verteilt. Ein gute Entscheidung, wie sich im Nachhinein herausstellte, denn Pete war tatsächlich in London geblieben. Bei seiner trächtigen Katze nämlich, die sich just während des Rock Werchter ganz divenhaft entschloß, ihre Leibesfrucht im verranzten Haus von Herrn Doherty zu entbinden. 



